Die Videoinstallation Artikel zeigt auf drei Monitoren einen Gebärdensprachdolmetscher, der die Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wiedergibt. Der Vortrag erfolgt ohne Stimme. Bedeutung entsteht allein durch die präzisen Bewegungen der Hände, durch Mimik, Atem und Rhythmus. Gebärdensprache wird hier nicht nur als Kommunikationsform sichtbar, sondern als vollwertige, eigenständige Sprache mit grammatischen Strukturen, räumlicher Logik und körperlicher Präsenz.
Die Installation macht erfahrbar, wie Gebärdensprache Inhalte nicht ergänzt, sondern trägt: Die abstrakten Formulierungen der Menschenrechtskonvention werden durch die körperliche Artikulation konkret, unmittelbar und eindringlich. Der Körper des Dolmetschers wird zum Medium des Rechts, seine Bewegungen zu Zeichen, die die allgemeinen Rechte in eine physische, sichtbare Form überführen.
Die drei Monitore sind in die Bänke eines Kirchenraums integriert. In dieser Umgebung verschränken sich sakraler Raum und politischer Text. Die Gebärdensprache setzt dem Raum eine eigene Autorität entgegen – eine Sprache, die ohne Klang auskommt und dennoch eine starke, unverwechselbare Stimme bildet.
Artikel thematisiert damit das Verhältnis von Recht und Repräsentation, Körper und Sprache. Gleichzeitig lenkt die Arbeit den Blick auf Gebärdensprache als gleichberechtigte Ausdrucksform, die Bedeutung nicht nur vermittelt, sondern verkörpert.